Hautärzte und Patienten im Dialog
Die Pressekonferenz zum Weltpsoriasistag 2009 stand ganz im Zeichen des Dialoges zwischen Ärzten und Patienten. Denn nur gemeinsam können Patienten und Dermatologen eine bessere Versorgung von Menschen mit Schuppenflechte erreichen, so der Leitgedanke der Presse-Konferenz, die der Berufsverband Deutscher Dermatologen, die Deutsche Dermatologische Gesellschaft und das Centrums für Versorgungsforschung in der Dermatologie (Cvderm) veranstalteten.
Hautarzt als Weichensteller
Prof. Matthias Augustin, Cvderm, Hamburg, berichtet über die Begleiterkrankungen bei Psoriasis. „Jeder, der an einer Schuppenflechte erkrankt, sollte optimal behandelt werden, um die Risiken von weiteren Erkrankungen zu verringern", so das Fazit von Prof. Augustin. Laut einer großen amerikanischen Studie an 1,3 Millionen Menschen ist die Lebenserwartung von Psoriatikern mit einer schweren Verlaufsform bei Männern um durchschnittlich 3,5 Jahre verkürzt und bei Frauen um 4,4 Jahre. 58 Prozent der Psoriatiker haben mindestens eine weitere Begleiterkrankung, wie Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck, Depressionen oder Psoriasis-Arthrithis. Denn Schuppenflechte ist nicht nur eine Krankheit der Haut, sondern wegen seiner chronischen Entzündungsaktivität ein tiefer gehendes Problem. Daraus lassen sich Empfehlungen ableiten, etwa Risikofaktoren wie Übergewicht und Rauchen zu reduzieren. Um alle denkbaren Begleiterkrankungen abzuklären, müssten Hautärzte mit anderen ärztlichen Disziplinen zusammen arbeiten. Dermatologen sind dabei Weichensteller zu anderen Fachärzten.
Psonet - Netzwerk für Psoriasis-Therapie
Dr. med. Michael Reusch, Präsident des Berufsverbandes der Dermatologen, stellte den Aufbau und die Funktion der Psoriasisnetze „Psonet“ vor. Da ein Großteil der Menschen mit Schuppenflechte in niedergelassenen Praxen behandelt wird, sei notwendig, dass sich Netzwerke bilden, in denen sich auf die Behandlung von Psoriasis spezialisierte Ärzte zusammentun. Alle in einem „Psonet“ organisierten Praxen verpflichten sich leitliniengerecht zu behandeln. Es gibt mittlerweile 21 solcher Netze in Deutschland.
Partnerschaft tut gut
Unter dem Motto „Partnerschaft tut gut“ erläuterte DPB-Geschäftsführer Hans-Detlev Kunz, das Partnerschaftlichkeit der Schlüssel für eine gute Arzt-Patienten-Beziehung ist. Die aktive Beteiligung von Patienten an der Therapie hat Vorteile für beide Seiten, wie Studien belegen. In allen Sektoren des Gesundheitssystems ist die Notwendigkeit erkannt, Patienten als Partner zu verstehen. Doch die Partnerschaft kann sich nur einstellen, wenn elementare Grundvoraussetzungen geschaffen werden. Dafür muss erst einmal das Informationsdefizit auf Seite des Patienten aufgehoben werden. Nur wer seine Krankheit und die Therapiemöglichkeiten kennt, kann über ihre Behandlung mit dem Arzt kommunizieren. Daher möchte der DPB die Patienten zu Experten ihrer eigenen Erkrankung machen. Darüber hinaus fordert der DPB die bessere Honorierung der sprechenden Medizin.
Hautärzte und Patienten im Dialog
Zum sechsten Weltpsoriasistag stand der Dialog von Patienten und Hautärzten im Mittelpunkt. Daher waren auf der Pressekonferenz in Hamburg mehrere Patienten- und Arzt-Paare eingeladen, um aus ihrer Sicht zu schildern, wie eine optimale Therapie der Schuppenflechte aussehen könnte.
Die Patienten erzählten, wie sie ihre geeignete Therapie gefunden hatten. Eine große Rolle spielt bei allen das Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt. Einige haben erst nach jahrzehntelanger Suche die für sie geeignete Therapie gefunden.
Der Kontakt zur Selbsthilfe und Informationen über die Erkrankung spielt eine wichtige Rolle. Aufklärung über den Umgang mit der chronischen Krankheit sind die Voraussetzungen, um sich mit den Ärzten über eine geeignete Therapie zu verständigen: „Der gebildete Patient ist eine Herausforderung für den gebildeten Arzt“, meinte Prof. Joachim Barth. Patienten hätten oft einen langen Weg hinter sich. Wichtig sei vor allem auch die psychologische Unterstützung, die nur auf der Vertrauensbasis zwischen Arzt und Patient gedeihen könnte. Seine Patientin Ingrid Rammelt fühlte sich bei „ihrem“ Professor von Anfang an gut aufgehoben: „Bei ihm bin ich in guten Händen mit einer fachlich fundierten Behandlung, in der er auch Zeit für ein persönliches Gespräch und auch – ganz wichtig – einmal tröstende Worte findet.“ Sie fühlt sich von ihm verstanden, auch wenn davon die Schuppenflechte nicht weg geht.